1881-1900

18. Juni 1881 – Der wichtigste Tag der Reudnitzer Sportgeschichte

An jenem denkwürdigen Tag gründeten 15 turnbegeisterte junge Männer im hiesigen Gasthof „Zum goldenen Löwen“ einen Turnverein. Ihrer inneren Überzeugnung folgend, gaben sie dem neugegründeten Verein den sinnvollen Namen

„Concordia“

Concordia heißt Eintracht – in einträchtiger Liebe und Zusammenarbeit, in einmütiger Geschlossenheit der edlen Turnkunst zu dienen. Dies sollte jederzeit des Vereins heiligste Pflicht sein.

1881 im Gründungsjahr hatten die Turner weder einen Sportplatz, noch eine eigene Turnhalle. Sie begnügten sich zunächst mit dem Turnen im Saal des Gasthofes „Zum goldenen Löwen“. Die Übungsstunden fanden sonntags statt. Da es mit der Wahrnehmung der Übungsstunden und Hauptversammlungen nicht so recht klappen wollte, gab es bei unentschuldigtem Fehlen eine Strafe von 10 – 25 Pfennigen.

In den Winterhalbjahren pflegte der Verein stärker die gesellige Seite. Es gab mancherlei Veranstaltungen wie Christbaumversteigerung, Tanzkränzchen, Winterbälle und vieles mehr. Durch diese Veranstaltungen sollte der Gemeinschaftsgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder und der Vereinsfrauen geweckt werden. Meist wurden durch diese Veranstaltungen den Vereinskassen beachtliche Mittel zugeführt, die größtenteils zum Ankauf von Turngeräten Verwendung fanden.

Damit das Turnen im Sommer nicht im Saal stattfinden musste, stellte der Besitzer des Gasthofes, der gleichzeitig Vereinswirt war, seinen Garten zur Verfügung. Er stiftete auch eine eiserne Stange und einen Büschel Stroh zum Auffüllen des Strohsackes, der als Sprungmatte diente.

Im Mai 1882 konnte im Garten ein Reck aufgebaute werden, ein Barren wurde bestellt, und im Oktober kamen ein Schwebereck sowie Kraftringe dazu. Jetzt war der Verein sehr gut mit Sportgeräten ausgestattet, und ein großer Mitgliederzuwachs aus Reudnitz und Umfeld war das Resultat. Eine Ende 1883 gezogene Bilanz zeigte, dass bei jeder der gehaltenen 130 Turnstunden durchschnittlich 40 Turner geturnt haben.

Am 01. Mai 1886 wurde einstimmig beschlossen, eine Vereinsfahne im Wert von 300,- Mark in Auftrag zu geben. Der turnerischen Überlieferung gemäß, sollte die Fahne die leuchtenden Farben – Rot und Weiß – als Symbol der glühenden Liebe, blühenden Lebenslust und Reinheit des turnerischen Lebenswandels tragen. Am 08. August erhielt die Fahne der Concordia ihre Weihe. Der Fahnenträger trug jetzt die Fahne bei Freud‘ und Leid der Turnerschar voran.

Diese Fahne unserer Urahnen ist wieder, nachdem die letzten 50 Jahre der Verbannung vorüber sind, im Besitz der Concordia.

In den Jahren 1883 – 1887 turnten die Mitglieder in einem von Friedrich Scheffel zur Verfügung gestellten Pachtgarten (heutiges Turnhallengelände). Nach Ablauf der Pacht sind mit Herrn Arthur Balduin von Geldern – Crispendort, Ehrenmitglied im Verein, Verhandlungen über einen neuen Turnplatz auf dem Brauereigelände mit Erfolg geführt worden. Der Platz konnte am 07. August 1887 geweiht werden. In den Jahren 1888 – 1891 gab es viele Neuanschaffungen von Turngeräten. Barren, Reck, Hanteln und Sprungständer standen jetzt zur Verfügung. Der Erfolg in den nächsten Jahren blieb nicht aus, so gab es auch immer viele Feste zu feiern. Ob im Frühling beim Anturnen, im Herbst beim Abturnen, eine Gelegenheit war immer da.

von Frau Sieglinde Beutler

Sport ist im Verein am Schönsten